Wir sind, was wir wiederholt tun

Vin und ich hatten vor kurzem eines unserer interessanteren Gespräche. Wie man bereits von uns kennt befassen wir uns täglich mit dem Thema Wiederholung. Vin lachte darüber wie lächerlich es ist, dass der einzige Weg Etwas zu erlernen oder zu meistern so offensichtlich und trotzdem so unbekannt zu sein scheint. Er wies darauf hin wie alle erfolgreichen Künstler diese komplett verschiedenen Menschen sind. Der eine braucht Whiskey um seine Bücher zu schreiben, ein anderer steht jeden Morgen um 4 Uhr morgens auf um mit seiner Arbeit anzufangen und eine andere schläft bis nachmittags um dann in ihrem Atelier zu wirken. Und trotzdem haben alle eins gemeinsam - Sie wiederholen ihre Tätigkeit stetig.

Wir versuchen Menschen in Schubladen zu stecken, je nach dem welchen Beruf sie erlernt haben. Es entscheidet wie wir über einen Menschen denken und bestimmt für uns seine komplette Identität. Das ist natürlich völlig falsch. Ein Mensch ist das was er wiederholt tut, im Guten wie im Schlechten. Ein Mensch der wiederholt lügt ist ein Lügner. Ein Mensch der in seinen Vierzigern anfängt Bücher zu schreiben ist ein Schriftsteller und ein Mensch der täglich musiziert ist ein Musiker. Bei den genannten Beispielen kann es sich natürlich um ein und die selbe Person handeln. Man kann Menschen eben nicht in eine Schublade stecken.

Umso öfter wir Etwas tun, desto leichter fällt es uns. Das ist äußerst nützlich wenn es um positive Eigenschaften unserer Identität geht. Allerdings fällt es uns schwerer schlechte Gewohnheiten zu verlernen.

Wollen wir besser werden bringt es nichts sich das nur zu wünschen. Wir müssen handeln, und zwar wiederholt.

Es bringt nichts andere Menschen zu beneiden und anzufangen an sich selbst zu zweifeln. Es gibt einen Grund warum andere Menschen beispielsweise gesünder aussehen als wir selbst. Wir könnten genau so aussehen wenn wir genau so handeln würden. Sich zu überlegen welche Entscheidungen man treffen würde wenn man wie ein gesunder Mensch leben würde, könnte schon den ganzen Unterschied machen. Umso öfter wir "gesunde" Entscheidungen treffen, desto einfacher wird es für uns in der Zukunft auch so zu denken und zu handeln.

Das gleiche gilt für Projekte die wir umsetzen wollen. Arbeiten wir nur ab und an daran oder wenn wir gerade Lust darauf haben werden wir nicht zum Abschluss kommen. Sich hinzusetzen und anzufangen ungestört an Etwas zu arbeiten ist nicht nur einer der Wege die zum Ziel führen, es ist der einzige der funktioniert.

Eigentlich sollte diese Erkenntnis nichts neues sein. Der amerikanische Philosoph Will Durant fasste die Gedanken Aristoteles 1926 in seinem Buch "The Story of Philosophy" wie folgt zusammen:

We are what we repeatedly do. Excellence, then, is not an act, but a habit.
Wir sind, was wir wiederholt tun. Exzellenz ist demnach keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.

Er hat es damit auf den Punkt gebracht. Solange wir etwas wiederholen, kann uns nichts und niemand stoppen. Exzellenz ist das Resultat von ständiger Wiederholung einer Tätigkeit.

Egal um was es geht, unser wiederholtes Verhalten spiegelt unsere Identität wieder. Das funktioniert auch anders herum. Wollen wir unsere Identität ändern, müssen wir anfangen Dinge zu wiederholen die unsere Identität formen sollen.

Repeat

Keine bekannten Künstler oder Leistungssportler haben ihre Ziele jemals erreicht nur weil sie genug Talent mitgebracht haben. Durch ihr Verständnis über die Macht der Repetition können sie sich vom Rest abheben.

Der Mensch besitzt ein von Grund auf bequemes Gehirn. Es ist einfacher zu vergessen oder zu ignorieren, dass ständige Iteration uns unsere Ziele erreichen lässt. Stattdessen finden wir Ausreden die uns ausbremsen. Wir sagen uns "Ich bin nicht musikalisch" oder "Ich bin nicht schlau genug um programmieren zu lernen" ohne es versucht zu haben. Keine Fitness-Routine für sechs Monate durchzuziehen, um sich gesünder zu fühlen und attraktiver auszusehen wird dann schnell mit "Ich habe schwere Knochen" oder "Ich habe schlechte Gene" entschuldigt.

Die Wahrheit ist, wer sich besser fühlen will muss besser handeln. Wiederholt.