Experiment 32: Tag 1

Die äußerst nette Grenzbeamtin fragte mich noch mal ob ich mir denn wirklich sicher bin mit einem Fremden, den ich nur aus dem Internet kenne, zusammen in ein Haus zu ziehen. Berechtigte Frage. Ja ich bin mir sicher.

Nach dem mich Vin am Flughafen aufsammelte, zeigte er mir zuerst Toronto von Innen. Den Finanz- und den aufstrebenden Technikbezirk, wo er noch vor wenigen Jahren für Shopify arbeitete.

Wenn wir scheitern, kann ich dort jederzeit wieder anfangen.

Wir fuhren weiter nach Little Portugal, wo sich unser Haus für die nächsten 32 Tage befindet. Vin erzählte mir, dass die Technikszene in Toronto noch sehr Jung ist und er so gut wie jeden darin kennt. Er ist sich sicher, dass noch niemand zuvor in Toronto die Idee hatte, sich zu zweit in einem Haus einzuschließen um etwas zu bewegen. Ich bin mir sicher, dass es der schnellste und effektivste Weg ist, Menschen so richtig kennen zu lernen und zusammen an einem Projekt zu arbeiten. Vor allem wenn man sich so ambitionierte Ziele wie wir gesetzt hat.

Es war schon seltsam als wir näher an das Haus fuhren und ich die Straßen schon erkannte, weil ich es mir noch einen Tag vorher auf Google Street View angesehen hatte. Ich erwischte mich dabei zu sagen, dass er hier jetzt links abbiegen muss. Es stimmte.

Toronto ist anders als ich es mir vorgestellt hatte. Großstadt ja, aber nicht so eng und beschäftigt wie ich dachte. Der Übergang von Finanzbezirk, Hochhäusern und Innenstadt zu unserer sehr beruhigten Nachbarschaft war so fließend und schnell, dass ich es kaum mitbekommen habe.

Unser Haus ist super. Großes Esszimmer mit riesigem Tisch, an dem wir uns innerhalb von zwei Minuten komplett ausgebreitet hatten. Die Technik steht. Vin hat uns noch tausende Bücher über Architektur, Gewohnheiten, Experimente, Lernen und noch viel mehr mitgebracht. Es kann also losgehen.

Es gibt noch ein gemütliches Wohnzimmer mit Ofen, in dem wir bereits viele Ideen ausgetauscht haben. Die Schlafzimmer sind geschmackvoll eingerichtet und geräumig. Das Haus ist ziemlich alt und der Boden knarzt bei jedem Schritt. Die Atmosphäre ist bezaubernd.

Nach einem langen Mittagessen bei dem es viel zu erzählen gab, sind wir wieder zurück zu unserem "House One" und fingen direkt an die ersten Ideen zu verwirklichen. Wer hätte gedacht, dass man so schnell arbeiten kann, wenn man nebeneinander sitzt, anstatt sich nur zu schreiben oder ab und zu mal zu telefonieren? Wir. Wir haben das gedacht. Darum bin ich hier.

Wegen meines Jetlags bin ich schon um 6 Uhr aufgestanden und warte darauf, dass die Sonne aufgeht. Ich bin gespannt was heute so passiert und freue mich auf die nächsten Wochen.