Der längste Tag

Der 15. März ging für mich nach einem sehr langen und gleichzeitig kurzen letzten Tag auf Bali los. Zuvor ging ich gut Frühstücken, besuchte eine Mall um nach Winterkleidung zu suchen, holte meine Wäsche ab, ruhte ein wenig und verzehrte ein paar Meeresfrüchte zum Abendessen.

Noch mal duschen und dann ab zum Flughafen. Kurz darauf begann der Tag der einfach nicht enden wollte.

Das Flugzeug startete pünktlich um 0:45 Uhr Richtung Tokyo. Ich schlief glücklicherweise sofort ein. Die Landung war um kurz nach 8 Uhr. In Tokyo angekommen wurde zuerst meine Körpertemperatur gemessen. Danach wurde ich durch die Security geschickt und war im Duty-free-Bereich des Flughafens.

Darin musste ich für den nächsten Flug bis nach Montreal bis um 18 Uhr warten. Kein großes Problem für mich. Ich packte meinen Computer aus und fing an etwas zu arbeiten. Zum Mittagessen gab es goldene Möwe. Ich musste noch einchecken und wurde mehrere Kilometer von Schalter zu Schalter geschickt. Um circa 16 Uhr hatte ich dann endlich meine letzten beiden Tickets abgeholt. Zeit um noch einen Film zu schauen. Noise-Cancelling-Kopfhörer auf und los. Als der Film zu Ende war packte ich alles zusammen und hörte meinen Namen aus den Flughafenlautsprechern schallen. "Last Call for Lucas Fischer" Ich sprintete los zu meinem eigentlichen Gate, dass natürlich nicht mehr das korrekte war. Die Dame vom Boarding machte deutlich, dass ich mich beeilen muss und wollte nur noch meinen Reisepass sehen. Im Flugzeug angekommen wurde direkt hinter mir die Tür verschlossen. Glück gehabt. Jetzt geht es erstmal 12 Stunden lang Richtung Kanada.

Ich war erst nicht mehr so richtig müde und konnte nicht schlafen und nutzte die Zeit um noch ein paar Filme zu schauen und schlief letztendlich doch noch für ein paar Stunden.

Ich kam um circa 16 Uhr in Montreal an. Hier begann der schlimmste Part der Reise. Nach der Ankunft wurde zunächst die standard Passkontrolle durchgeführt. Der erste Grenzbeamte mit dem ich sprach runzelte seine Stirn nach dem ich sagte ich wolle nur einen Freund besuchen. Der Rest seines Gesichts war hinter einer Maske versteckt. Er markierte meine Immigrationspapiere mit einem roten Stift und schickte mich zur nächsten Station. Dort wieder die gleiche Frage und die Nachfrage, ob ich es für eine gute Idee halte während dieser Zeit einfach nur zum Besuch zu kommen. Ich wurde wieder weiter geschickt bis ich in einen Saal mit Wartebereich kam. Darin waren einige Leute die warten, einige davon schienen zu weinen. Ich stellte mich in die Schlange und beobachtete zunächst das Geschehen. Es gab ungefähr 6 Schalter an denen Grenzbeamte mit Reisenden sprachen. Ich überhörte wie einige der Reisenden nach Hause geschickt wurden und nicht einreisen durften. Eine Frau hinter einem der Schalter rief mich zu ihr. Auch hier erstmal die gleichen Fragen. Sie reagierte feindlich auf mich und warf mir vor in das Land zu kommen und alle mit dem Virus anzustecken. Ich erklärte ihr, dass ich schon meine Quarantäne geplant habe. Sie schüttelte mit dem Kopf und war nicht wirklich begeistert von dem was sie von mir hörte. Sie sagte sie werde mich nicht einreisen lassen. Ich soll mich hinsetzen und auf sie warten, während sie meine Papiere untersuchte. Ich wartete für 10 Minuten bis sie mich wieder zu ihr rief. Innerhalb von weniger als 10 Fragen wusste sie sofort Bescheid was mein eigentlicher Plan war. Mein Reisepass war wie Malen nach Zahlen für sie. Ich will nicht über alle Details berichten, aber das Ende vom Lied war, dass sie mich nach einer deutlichen Warnung einreisen lies.

Meine Einreiseerlaubnis mit allen notwendigen Stempeln.

Da ich schon mal vor genau einem Monat nach Kanada eingereist bin kann ich sagen, dass die Situation wesentlich angespannter war als beim ersten mal. Ehrlich gesagt sind die Erlebnisse schwer zu vergleichen. Vor einem Monat gab es noch freundliche Nachfragen ob meine Unterkunft schon bezahlt ist und ob ich mir sicher bin, dass ich einen Fremden aus dem Internet besuchen will. Dieses mal wurde nicht mal nach meiner Unterkunft gefragt.

Verwundert war ich darüber, dass ich zwar über eine halbe Stunde verhört wurde, doch sich niemand nach meiner Gesundheit fragte oder Fieber gemessen hat. Außerdem wurden auch keine Kontaktdaten von mir aufgeschrieben um mich zu kontaktieren. Beides Dinge die bei meiner Einreise nach Indonesien Pflicht waren.

Ich war natürlich froh, dass dieser Prozess vorbei war und bestieg nach dem obligatorischen Security-Check das nächste Flugzeug, dass mich um 18 Uhr nach Toronto flog. Der Flug ging eine Stunde und durch das Fliegen in eine andere Zeitzone kam ich auch um 18 Uhr an. Was ein Tag. Um 18 Uhr in Tokyo los geflogen und um 18 Uhr am selben Tag in Toronto angekommen.

Dort wurde ich aufgrund des Inlandsflugs nicht mehr gecheckt und konnte nach dem ich mein Gepäck geholt habe erstmal verschnaufen. Ich ging noch kurz zu Subway um zu Abend zu essen und lies mich in meine erste Unterkunft fahren.

Es war ein langer Tag und ich bin froh, dass alles geklappt hat. Es waren lange und teilweise nervenaufreibende 36 Stunden. Ich fühle mich vom Glück geküsst, denn wie sich herausstellte war das keine Selbstverständlichkeit. Man muss wissen, dass ich das Flugticket aus Versehen einen Tag zu früh gebucht hatte. Der eigentliche Plan war es einen Tag später zu fliegen. Gut, dass ich diesen Fehler gemacht habe, denn am 16. März hat Justin Trudeu die kanadischen Grenzen für alle nicht-kanadier geschlossen. Eine Einreise nach meinem 30 Stunden Trip wäre mir also verwehrt worden.