Agape

Egoismus hat meist viele hässliche Seiten. Richtig ausgelebt, ist es allerdings möglich gleichzeitig egoistisch und selbstlos zu handeln. Das wirkt auf den ersten Blick alles andere als intuitiv, ist aber möglich. In der aktuellen Gesellschaft sehen wir oft unschöne Formen des Egoismus, die langfristig gesehen sogar nur wenig zum Selbstwohl beitragen. Es gibt einige Situationen in denen es besser für einen selbst wäre der Allgemeinheit zu helfen, statt Probleme die andere Menschen betreffen zu ignorieren und rein selbstsüchtig zu handeln. Genau darauf möchte ich in diesem Aufsatz eingehen.

Die Frage die ich Aufstellen möchte lautet:

Wie sieht Egoismus aus der dem Allgemeinwohl nützt?

Zunächst müssen wir noch mal wiederholen, dass ALLE Menschen gleich sind und mit dem gleichen Potential zur Welt kommen. Es spielt keine Rolle in welchem Land oder Kontinent ein Mensch geboren wird. Wir sind alle gleich.

Als wir, die Menschen, noch ausschließlich Agrarbau betrieben und es technologisch keine wirklichen Fortschritte gab, wurden Kriege um das beste Land und die besten Ackerflächen geführt. Man musste mehr Ressourcen ergatern um sich einen Vorteil zu verschaffen. Winter waren lang und hart, und schließlich musste man immer etwas zum Essen haben. Damals konnte es einem nur besser gehen wenn es anderen schlechter geht. Wenn man also Hunger hatte, waren Plündern, Brandschatzen, Diebstähle und Eroberungen durchaus sinnvolle Strategien. So ging es für Jahrtausende. Man führte unerbittlich Krieg um mehr abzubekommen als andere.

Das Hat sich in den letzen Jahrhunderten glücklicherweise stark verändert. Man entwickelte neuartige Maschinen, bessere Dünger und konnte den Ertrag der Landwirtschaft immer weiter steigern. Seit der industriellen Revolution können wir theoretisch mehr Lebensmittlen produzieren als wir überhaupt konsumieren können. Es könnte genug Nahrung für jeden und sogar noch mehr geben. Niemand müsste Hunger leiden.

Technologie hat uns natürlich noch viel weiter gebracht als nur das Problem der Ernährung zu lösen. Wir wissen mittlerweile wie man Impfstoffe herstellt, haben Zugriff auf Antibiotika, können unsere Familien planen und haben kleine Computer in unseren Hosentaschen die uns mit der ganzen Welt verbinden. Zumindest wenn wir in einer westlichen Zivilisation aufgewachsen sind.

Innovation wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Umso mehr Menschen reicher werden, desto größer wird die Nachfrage nach Ideen. Dadurch wächst der Markt der Innovationen. Das Angebot steigt, wenn mehr Menschen die Chance und Bildung haben, etwas zur Gesellschaft beizutragen. Wenn ein Großteil der Bevölkerung etwas will und dafür zahlen kann, weckt das die Aufmerksamkeit von Erfindern und Ingenieuren. Innovation folgt Anreizen. Das war schon immer so.

Ein Gespräch mit Großeltern macht diesen Fakt schnell klar. Man bekommt erzählt wie damals noch Kartoffeln für den Winter im Keller gelagert wurden. Einen Kühlschrank hatte man damals ja noch nicht. Heute darf er in keinem Haushalt fehlen. Natürlich hat sich auch sonst einiges verändert. Als sich langsam immer mehr Menschen ein Auto leisten konnten stieg die Nachfrage danach. Dies resultierte in immer günstigeren Autos die schneller produziert werden können. Ähnliches haben wir die letzten zehn Jahre mit dem Smartphone-Markt bezeugen können.

Ähnliche Parallelen kann man auch zum Internet ziehen. Um so mehr Menschen Zugriff auf das Internet bekommen, desto mehr Aufmerksamkeit und Motivation bekommen Innovatoren dieses Medium zu nutzen um Mehrwert für andere Menschen zu schaffen.

Wenn wir einmal haben was wir wollen geben wir uns nicht zufrieden, sondern überlegen wie wir es noch besser machen können. Das liegt in der Natur des Menschen.

Ein ungebildeter Reis-Bauer in einem Entwicklungsland, der den ganzen Tag in der prallen Sonne schuften muss ist für die Menschheit nicht wirklich nützlich und somit verschwendetes menschliches Potential. Würde sein Wohlstand steigen, könnten seine Kinder bessere Schulen oder vielleicht sogar eine Universität besuchen und später an Dingen arbeiten die für uns alle nützlich sein könnten. Das gleiche gilt natürlich für jeden armen Tropf der in einem Kriegsgebiet lebt, oder sein Dasein in einem Flüchtlingslager verschwenden muss.

Hier kommen wir auch schon bei der Quintessenz an.

Das Leben der Menschen zu verbessern, denen es am schlechtesten geht, erhöht die Nachfrage nach Ideen und erleichtert gleichzeitig deren Umsetzung.

Nehmen wir an es gibt im Moment eine Milliarde Menschen auf der Erde in Industrienationen, die sich eine Behandlung für Krebs leisten könnten. Das bedeutet, dass nur 1/7 unserer menschlichen Ressourcen für die Heilung von Krebs eingesetzt werden kann. Dazu kommt auch noch, dass nur 1/7 der Erdbevölkerung überhaupt die Mittel besitzt an einer Lösung zu forschen.

Wenn sich mehr Menschen teure medizinische Behandlungen und Arzneistoffe leisten könnten, würde auch mehr in die Heilung dieser Krankheiten investiert werden können.

Statt wenigen Innovations-Hotposts in einzelnen Industrienationen könnte es dann mehrere Weltweit geben, die im Optimalfall miteinander kommunizieren. Der Forschungs- und Innovations-Durchsatz wäre um ein vielfaches größer.

Es ist gut für uns wenn Menschen in entlegenen Teilen der Welt erfolgreich sind. Je mehr Menschen es gut geht, desto besser ist unser eigenes Leben.

Um so mehr Menschen das gleiche wie wir wollen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir es bekommen. Verfügbarkeiten würden steigen und Preise sinken.

Das bleibt alles aus, wenn arme Regionen arm bleiben. Wir profitieren wenn arme Regionen reicher werden und die Möglichkeit bekommen Ideen beizusteuern und zur globalen Entwicklung beizutragen.

Ein paar Milliarden Menschen mehr, die für medizinische Forschung bezahlen, könnte irgendwann unser Leben retten.

Verschenktes menschliches Potential ist der Grund um etwas gutes für andere Menschen tun zu können, und dabei gleichzeitig rein egoistisch zu handeln. Wenn wir in einer Welt leben wollen in der wir unser gemeinsames Potential voll ausschöpfen können und davon profitieren wollen, müssen wir zusammenarbeiten und dafür sorgen, dass alle Zugriff auf das gleiche Wissen und Ressourcen bekommen.

Agape ist ein christliches Wort für die göttliche Liebe. Eine egoistische Grundhaltung ist nach Jesus Christus für Christen nicht möglich. Die uneigennützige Liebe ist das Ziel des Menschen. Laut Überlieferungen des neuen Testaments sagte Jesus selbst "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Es wäre sicherlich wünschenswert wenn mehr Menschen danach handeln würden.
Obwohl ich kein Anhänger dieser Glaubensrichtung bin, stimme ich zu, dass uneigennützige Liebe sinnvolles und nobles Ziel für jeden Menschen darstellt.