50 Tage meditieren

Heute ist der 50. Tag meines Meditationsexperiments. Zeit um zurück zu schauen. Vor 50 Tagen war ich noch in Toronto und hatte angefangen einen Blog-Artikel darüber zu schreiben was man in der Quarantäne mit sich anfangen könnte. Der Post enthielt allerdings nur ein paar kleine Ideen um sich nicht zu langweilen. Wer mich kennt weiß allerdings, dass ich selbst so gut wie nie Probleme mit Langeweile habe. Es gibt immer genug zu tun. Allerdings war eine andere Sache neu und äußerst präsent - Das Allein-Sein. Es bot natürliche extreme Freiheiten und Platz für neue Experimente. Auch mit mir selbst.

Wie es auch nicht anders sein könnte habe ich auf Futureland mehrere Projekte entdeckt in denen Leute mit dem Meditieren angefangen haben. Mir wurde es gerade für die Zeit alleine auch öfter empfohlen, um mit der Situation besser zurecht zu kommen. Wenn ich ehrlich bin hat es schon ein bisschen Überwindung gekostet damit anzufangen. Ich denke ich fand es davor ziemlich albern sich hinzusetzen und für ein paar Minuten an nichts zu denken. Ich habe aber auch gehört, dass man erst nach circa 30 Tagen erste Effekte merken soll und es deshalb mindestens einen Monat lang durchziehen sollte. 30 Tage waren also mein erstes Ziel.

Natürlich hatte ich keine Idee was auf mich zukommt, doch wie gesagt, ich hatte Zeit, ich hatte Ruhe, ich hatte Freiheit. Also lud ich mir die empfohlene App "Headspace" herunter und legte direkt los. Sprichwörtlich - Augen zu und durch. Es klingt komisch, aber die Erfahrung der ersten Sitzung hat mich so neugierig gemacht, dass ich wenige Minuten danach die zweite Sitzung gestartet habe. Seit dem meditiere ich jeden Tag für mindestens 5 Minuten, Meistens jedoch zwischen 5 und 11.

Es ist nicht ganz so wie ich zuerst dachte. Man fokussiert sich nicht stur darauf an nichts zu denken. Die App gibt einem wirklich nützliche Hinweise und konzentriert sich unter anderem darauf seinen eigenen Atemzügen zu folgen. Das klingt sehr simpel, ist es allerdings überhaupt nicht. Nach wenigen Atemzügen fängt man an abzuschweifen und an etwas anderes zu denken, dass einen gerade beschäftigt. Wenn das passiert soll man das Gedachte kurz anerkennen und sich wieder auf seinen Atem konzentrieren. Angeblich gibt es hier kein richtig oder falsch. Kurz andere Gedanken zu haben ist ganz natürlich und es erfordert extrem viel Training sich länger auf seinen Atem konzentrieren zu können.

Nach ein paar Tagen war ich wirklich erstaunt, wie es jede Art von Stimmung neutralisierte und mich zurück setzt. Fühle ich mich im Stress, oder verärgert kann ich jetzt anfangen für ein paar Minuten zu meditieren und fühle mich danach tatsächlich wesentlich besser als vorher.

Zusätzlich hilft es auch dabei einzuschlafen. Vor dem ins Bett gehen zu meditieren oder sogar zum Einschlafen kann wunder wirken. Ich muss zugeben, dass es schon das ein oder andere Mal nach dem Mittagessen dazu gekommen ist, dass ich während der Meditation einfach eingeschlafen bin. Nicht weil es langweilig ist, sondern weil es einem von Innen beruhigt. Diese Zeit kann ich also nicht empfehlen. Als Gewohnheit halte ich es nach dem Aufwachen für sinnvoll. Es kann aber auch perfekt als Werkzeug gegen Stress oder Ärger eingesetzt werden.

Wie gesagt bin ich jetzt bei Tag 50 und sehe noch keinen Grund wieder aufzuhören. Ob ich es allerdings auch in ferner Zukunft jeden Tag machen würde weiß ich noch nicht. Ich will noch herausfinden welche Folgen es auf mein generelles Bewusstsein ausüben könnte, solange ich täglich weiter mache.