2019

Im folgenden Jahresrückblick werde ich zurück auf meine wichtigsten Erlebnisse und Eindrücke aus 2019 blicken.

2019 war ein großes Jahr. Das Jahr in dem ich endlich genug Mut aufgebracht habe um alle meine Sachen zu packen und mit meiner lang ersehnten Weltreise zu beginnen. Ich bin super dankbar für alles was ich in diesem Jahr erleben durfte. Ich durfte so viel lernen, fantastische Orte erkunden und bezaubernde Menschen kennen lernen. Es war wesentlich besser als ich mir den Abschluss dieser Dekade jemals vorstellen konnte.

Canggu

Das Jahr begann erst so richtig Ende Februar als ich endlich beschlossen hatte meine Reise nach Canggu (Bali) zu organisieren. Ich habe seit meinem Bachelor-Abschluss im August 2017 gute eineinhalb Jahre prokrastiniert genau dies zu tun. Natürlich habe ich in dieser Zeit allen erzählt was ich vor habe - Nach Bali fliegen und von dort aus weiter zu arbeiten. In meinem Kopf hörte sich das immer ganz einfach an. Trotzdem war ich nie in der Lage endlich die Reise zu planen und zu buchen. Es fing an mich zu stören. Ich wollte nicht so sein wie die Personen die ich verachte - Immer nur reden aber nie handeln. Irgendwann hat es Klick gemacht. Ich setzte mich 20 Minuten in's Wohnzimmer, buchte erst Flug, dann Unterkunft. Ich war überglücklich und wahnsinnig aufgeregt. 2 Wochen später saß ich schon im Flieger. Alleine. Das Ziel 11.000 Kilometer von Zuhause entfernt.

Die Ankunft war furchtbar. Ich war mit allem was ich sah überfordert, konnte mich nicht orientieren und fühlte mich noch nie so alleine. Nach dem ersten Frühstück ging ich direkt wieder nach Hause und schloss mich zunächst in meinem Zimmer ein. Nach einer Weile bekam ich eine Textnachricht, dass mein Roller jetzt in der Garage stünde. Ich versuchte mein Glück. Es war das erste Mal Roller fahren für mich. Ich fuhr in einer kleineren Gasse los, erschreckte ein paar Hühner, die darauf hin versuchten weg zu flattern und versuchte irgendwie den Strand zu finden. Das war erstmal genug Abenteuer für eine Weile. Ich schloss mich wieder in meinem Zimmer ein. Komisches Gefühl. Alle Menschen die ich kenne sind auf der anderen Seite der Erde und schlafen noch tief und fest. Niemand da zum reden.

Ich bin immer noch unglaublich dankbar, dass meine Villamitbewohner bemerkt hatten, dass ich Schwierigkeiten hatte mich zurecht zu finden. Genauer gesagt Andreja und vor allem Leon haben mir wahnsinnig geholfen mit der neuen Situation klarzukommen. Er fragte mich wiederholt das ein oder andere Bier mit ihm zu trinken und sprach die nötigen Worte mit mir, die es mir in Zukunft einfacher machten alleine zu sein. Wir gingen häufig Essen und ich fühlte mich von Tag zu Tag wohler. Über die 1,5 Monate, die ich so gut wie jeden Tag mit ihnen verbracht habe, wurden sie zu echten Freunden. Als sie 2 Wochen vor mir abgereist waren, vermisste ich sie schon. Die Villa fühlte sich trotz Jacob's Besuch regelrecht tot ohne sie an.

Ich hoffe ich werde sie 2020 wiedersehen. Wir sind im Moment in Gesprächen uns zusammen eine Wohnung irgendwo auf der Welt zu mieten. Ursprünglich war geplant, dass wir uns im Herbst wieder auf Bali treffen doch aus diesen Plänen wurde erstmal nichts.

Weil Koni die einmalige Gelegenheit nutzte, um auf Bali zu studieren und Jacob sie unbedingt besuchen wollte, war ich direkt entschlossen wieder mit ihm dort hin zu fliegen und meine Reise fortzusetzen. Die Idee war 3 Wochen Urlaub mit ihm und Koni zu machen und danach noch eine Woche von dort aus zu arbeiten. Danach wollte ich weiter nach Chiang Mai und bis Weihnachten wieder nach Hause kommen.

Dieser Plan ging zumindest bis zur ersten Hälfte auf. Zu dritt verbrachten wir einen wahnsinnig spaßigen Urlaub auf Bali und Lombok. Für diese Zeit bin ich den beiden extrem dankbar.

Auf Empfehlung meiner Freunde wollte ich bevor es nach Chiang Mai ging noch 4 Tage in Singapur verbringen. Allerdings lernte ich in meinen letzten 4 Tagen in Canggu ein Mädchen kennen, für das es sich lohnte die Weiterreise abzubrechen und wieder zurück nach Bali zu fliegen.

2019-12-10 - Mein Büro im Rise & Shine
2019-12-10 | Mein Büro im Rise & Shine

Gearbeitet habe ich meistens aus Cafes. Um ganz ehrlich zu sein, meistens saß ich im Rise & Shine in Canggu. Hier konnte ich richtig produktiv sein und gesundes Frühstück und erfrischende Getränke genießen. Zusätzlich ermöglichte mir die +7 Stunden Zeitverschiebung nach Deutschland, die ersten 6 Stunden des Tages konzentriert und ungestört zu arbeiten. Ein natürlicher Produktivitätsgewinn. Diesen Fokus vermisse ich am meisten wenn ich von Deutschland aus arbeite.

In Summe verbrachte ich so ein Drittel von 2019 auf Bali, genauer gesagt in Canggu. Ein magischer Ort. Im Moment mein liebster auf diesem Planeten. Es hat alles was ich brauche - Unendlich viele gute Restaurants und Cafes von denen aus ich Arbeiten kann, ein breit gefächertes Publikum von interessanten Menschen aus der ganzen Welt, fast das ganze Jahr Sonnenschein, konstant 30 Grad und Strände an denen man surfen oder einfach nur spazieren gehen kann. Paradies. Diesen Ort zu verlassen fällt mir jedes Mal extrem schwer.

lucas.love

Ich habe ein Problem. Ich liebe Domains. Ich suche quasi immer nach einer neuen Domain für neue Projekte und für mich selbst. Das fällt schwieriger als die meisten denken werden. "Lucas Fischer" ist scheinbar ein Allerweltsname. Weder Domains mit “Lucas”, noch mit “Fischer” sind irgendwie verfügbar. Mit lucas.love habe ich endlich gefunden wonach ich lange suchte.

Weil ich immer am tüfteln bin und schon lange nach einem Platz suchte, an dem ich meine persönlichen Projekte präsentieren kann, nutze ich die Domain seit diesem Jahr als digitales Zuhause für alles was ich kreiere. Zusätzlich will ich, wie die Domain schon vermuten lässt auch ein bisschen Liebe zurück geben. Liebe die ich von Anderen in den verschiedensten Formen erhalte. So bekomme ich glücklicherweise, bei jedem Projekt das ich starte, Unterstützung von meinen Freunden und Familie. Zeit um Danke zu sagen.

Ich programmierte die Seite an einem sehr heißen Tag auf Bali. Meine Mitbewohner dachten zunächst, dass es sich um mein Datingprofil handelt. lucas.love. Witzig. Ja klar. Zu diesem Zeitpunkt beinhaltete die Seite nur meine aktuellen Projekte - groß und klein.

Wie man auf der Startseite ganz gut erkennen kann, hab' ich dieses Jahr nicht viele neue Projekte gestartet. Dafür habe ich allerdings Anfang November mit meinem eigenen Blog nachgelegt, den es jetzt hier für alle zu bestaunen gibt. Den Rest des Jahres habe ich hauptsächlich dazu genutzt Vagabundo weiter zu entwickeln.

Mopedclan

Im Juni schloss ich mich spontan meinem Cousin Tom und Toffer an, mit dem Moped nach Freiburg zu fahren. Verrückte Idee. 3 Tage. 3 Typen. 272 Kilometer. Es war eine der besten Entscheidungen des Jahres. An dieser Stelle herzlichen Dank an meinen Onkel Klaus der mir super kurzfristig ein Gefährt für die Odyssee zu Verfügung stellte. Ich konnte während der Reise mal so richtig abschalten und das Internet komplett hinter mir lassen. Mir fällt jedes Mal wieder aufs Neue auf wie gut es mir tut wenn ich keine Zeit vor dem Computer verbringe. Das Gespür führ Distanz kommt erst so richtig auf wenn man mit maximal 50 km/h durch die Gegend düst. Wir übernachteten in Strasbourg, Colmar und natürlich in Freiburg selbst. Dort besuchte uns noch Jacob für eine Nacht voller Tresen und dreckiger Witze. Nach einer kurzen Nacht wurden wir von Toffer's Vater samt Mopeds wieder abgeholt und zurück nach Deidesheim gebracht.

2019-06-15 - Zwischenstop in Colmar
2019-06-15 | Zwischenstop in Colmar

Ich bin super dankbar für die Zeit und hoffe, dass wir 2020 die Zeit finden so etwas zu wiederholen. Wir haben das ganze natürlich mit Hilfe von Vagabundo dokumentiert: mopedclan.wtf

Les Cousins Terribles

Tom und ich hatten schon länger die Idee unsere eigenen T-Shirts zu designen. Natürlich. Warum auch nicht? Macht das nicht jeder im Moment? Mir ging es hauptsächlich darum neue hübsche T-Shirts zu bekommen die mir gefallen und die ich mit Stolz tragen kann. Allerdings verläuft dieses Projekt schleppend, weil Tom und ich nebenbei einfach noch viel zu viel andere Dinge zu tun haben.

Futureland

Anfang November erreichte mich eine Twitter-Nachricht von Vin, nachdem ich startete ihm zu folgen. Er erzählte mir zunächst, dass er meine Arbeit admiriert. Dies kam als riesige Überraschung für mich, weil ich bereits ein Bewunderer seiner Arbeit und vor allem seines Blogs war. Darin finden sich zahlreiche Berichte über seine Experimente, die meistens darum gingen, wie man am effektivsten neue Fähigkeiten erlernen kann. Mir gefiel die Philosophie hinter den Artikeln sehr. Sie bestärkten meine bereits vorhandene Meinung dazu, dass jeder Mensch alles erlernen kann solange er es nur oft genug versucht und nicht aufgibt. Autodidaktisches Lernen steht also im Vordergrund. Genau meine Welt. Er schrieb nicht nur darüber, sondern bewies alle seine Thesen dadurch, dass er sie online dokumentierte.

Nach einiger Zeit fragte er mich um Hilfe bei seinem aktuellen Projekt namens Futureland. Ich sagte ihm sofort zu. Zunächst half ich ihm mit Kleinigkeiten wie Ratschlägen zu Technikentscheidungen. Das ganze entwickelte sich so schnell, dass wir bereits einen Monat später gemeinsam eine komplett neue Version von Futureland veröffentlichen konnten.

Es war genau das Projekt auf das ich gewartet hatte. Ein Produkt mit kreativen Menschen zu entwickeln, die ich bewundere und wertschätze. Der große Bonus bei diesem Produkt ist, dass es sich um eine Plattform für Kreative handelt. Das bedeutet ich werde nicht nur mit kreativen Menschen arbeiten, sondern auch für andere Kreative aus der ganzen Welt.

Vin schlug vor, dass wir uns einem einmonatigen Experiment unterziehen, bei dem wir testen werden wie wir gemeinsam Futureland verbessern können. Das bedeutet, dass ich von Mitte Januar bis Mitte Februar zusammen mit ihm in Toronto Vollzeit an diesem Projekt arbeiten werde. Ich kann es kaum erwarten.

Ich schrieb bereits etwas über die Philosophie hinter Futureland in meinem Blog.

Persönliche Entwicklung

Ich habe das letzte Jahr versucht zwei Eigenschaften, die ich an anderen Menschen schätze, an mir noch weiter auszubauen um zu sehen welche Effekte diese auf mein Leben haben.

Die erste ist Ehrlichkeit. Ehrlich gesagt halte ich mich bereits für einen Menschen der meistens die Wahrheit sagt. In meinem professionellen Umfeld habe ich selbst in unangenehmen Situationen kein Problem ehrlich und direkt zu bleiben. Wahrscheinlich weil ich sehr selbstbewusst mit meinen dortigen Fähigkeiten bin und fundierte Meinungen habe, hinter denen ich stehen kann. Schließlich bin ich Experte und muss mir von niemandem etwas erzählen lassen.

Privat entwischt mir allerdings doch das ein oder andere Mal eine Notlüge oder andere kleine Lügen weil die Wahrheit zu unbequem ist. Zusätzlich bin ich immer noch sehr schlecht darin auszudrücken wenn mir etwas missfällt oder einfach mal „nein“ zu sagen. Auch das zähle ich zur Ehrlichkeit.

Noch ehrlicher zu sein, hat sich wie erwartet ausgezahlt. Das Gewissen ist noch reiner und so gut wie keine meiner brutal ehrlichen Äußerungen sind auf Missfallen meiner Mitmenschen gestoßen. Ich würde sogar sagen, dass sich alle Situation in denen ich wahrhaftig sein konnte, zu meinem eigenen Vorteil entwickelt haben. Gerade in Gegebenheiten in der mir die Wahrheit peinlich oder unangenehm war, hat sich die Situation unerwartet zum positiven entwickelt. Zusätzlich konnten dadurch noch innigere Beziehungen entstehen.

Ehrlich zu sein bedeutet für mich vor allem meine Integrität zu waren. Ich will mich nicht verstellen und mich so wohl fühlen wie ich bin. Ich will, dass andere mir vertrauen und sich auf mich verlassen können. Es ist eine Eigenschaft die ich an anderen Menschen schätze und für erstrebenswert halte. An Menschen die oft Lügen oder mehr reden als einfach mal ihre Taten sprechen zu lassen, verliere ich meist schnell Interesse. Noch weniger möchte ich mit dieser Art von Mensch befreundet sein oder Zeit verschwenden. Lügner und Schwätzer spielen mir eine Realität vor, die sie nur aus Eigeninteresse geformt haben. In dieser habe ich nichts verloren.

Die andere Eigenschaft an der ich arbeiten wollte lautet Dankbarkeit. Es klingt zunächst sehr simpel. Allerdings ist es oft nicht einfach dankbar zu sein oder sie auszudrücken. Wie alle, habe ich natürlich auch gute und schlechte Zeiten.

Es gibt aber eine Übung die für mich sehr gut funktioniert. Ich schreibe immer wieder auf, für was ich gerade Dankbarkeit verspüre. Alternativ denke ich vor dem Einschlafen darüber nach für was und wen ich gerade dankbar bin. Es ist wichtig dies bewusst zu tun. Zum einen hilft diese Mentalität besser mit Rückschlägen und schlechten Zeiten umzugehen, weil positive Gedanken noch in greifbarer Nähe sind, zum anderen steigert es das dauerhafte Glücksbefinden durch ständige Reflexion der positiven Seiten des Lebens.

Mir ist aufgefallen, dass ich mich dadurch wesentlich glücklicher fühle. Es mag wohl seltsam klingen, aber ich habe das Gefühl, dass 2019 bis jetzt mein glücklichstes Jahr gewesen war. Ich vermute sogar, dass mir durch diese positive Grundhaltung noch mehr Glück widerfahren ist. Kann natürlich auch nur ein Zufall sein. Das schließe ich aber fast aus.

Gleichzeitig macht mich die Dankbarkeit auch bescheiden. Zu wissen, dass es beispielsweise andere schlechter haben als ich oder zu wissen, dass ich über sehr vieles Gutes was in meinem Leben passiert keine Kontrolle besitze macht mir wieder klar, dass ich mich Glücklich schätzen kann. Beispielsweise sehe ich es als absolutes Privileg die Welt in meinem Tempo zu erkunden, während ich arbeite.

Interessanter wird es noch wenn ich Dankbarkeit und Ehrlichkeit miteinander verbinde. Dafür reicht es einfach mal den wichtigsten Menschen in meinem Leben zu sagen wie viel sie mir bedeuten und auszudrücken wie dankbar ich dafür bin, dass sie existieren.

2020

Ich freue mich wahnsinnig auf das bevorstehende Jahr. Die nahe Zukunft wird spannend und bietet mir so viele Möglichkeiten.

An erster Stelle natürlich das große Experiment mit Vin im Januar. Futureland nach unseren beiden Vorstellungen zu verbessern und nach vorne zu treiben wird eine große Herausforderung. Allerdings freue ich mich auf die Erfahrung endlich einen physisch präsenten Kollegen zu haben. Ich bin mir sicher, dass wir viel voneinander lernen können und werden. Auch freue ich mich darauf Toronto zu erkunden und mal in Nord Amerika gewesen zu sein.

Was ich danach mache ist noch offen. Verlängere ich meinen Aufenthalt in Toronto oder fliege ich direkt wieder nach Bali? Mache ich noch einmal einen kurzen Zwischenstop in Deutschland und treffe mich dann mit Leon und Andreja in Taipei? Ich weiß es nicht. Alleine zu wissen, dass ich all diese Möglichkeiten habe macht mich absolut glücklich und dankbar. Wer wissen will, wie die Planung läuft und wo ich gerade bin, kann sich jederzeit auf whereislucas.today informieren.

Geographisch gesehen ist mein Ziel in 2020 nur noch über die Sommermonate in Deutschland zu verbringen und noch viel mehr von der Welt zu sehen so lange ich die Möglichkeit dazu habe.

Privat möchte ich weiter an meinem Blog lucas.love arbeiten um meinen Schreibstil zu verbessern und die 365 Tage in meinem Futureland-Projekt zu erreichen.

An neuen Projekten ist aktuell nur Futureland geplant.